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see you ........... somewhere at sea !!! |
Afrikanischer Wassersport“
oder mit Forschern, Hai-Flüsterern und Fatalisten unterwegs in Kwazulu-Natal


von Meike & Ted Kreimer, Jaderberg
Wenn seit Jahren und Jahrzehnten mit Sicherheit und Regelmäßigkeit ein plakatives Thema im Zusammenhang mit der (Sport-) Taucherei immer wieder und aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln aufkommt, dann sind es Haie, Haiunfälle, Haiangriffe, Haigefahr oder seit ein paar Jahren zunehmend die „Haigefährdung“. Dazu kann offenbar jeder etwas sagen, Taucher und Nicht-Taucher, Badeurlauber, Fischesser, Sportfischer, Naturschützer, Tourismusexperten oder oder oder! Als ich mit Ted vor langen Jahren im warmen Wasser Floridas und der Karibik mit dem Tauchen anfing, waren Haie schon ein frühes Thema in der Ausbildung durch örtliche Instructors, ziemlich abstrakt für uns, trotzdem faszinierend und beängstigend zugleich und immer von den uns instruierenden Ausbildern und „alten Tauchern“ mit dem Ausdruck abgeklärter Selbstverständlichkeit und routinierter Verhaltenssicherheit dargeboten. Bei den Tauchgängen haben wir zwar nie auch nur einen kleinen Weißspitzen-Riffhai gesehen und irgendwann auch begriffen, dass die realen Gefahren beim Tauchen andere sind. Haie fanden dann nur noch als Comic-Figuren auf bunten T-Shirts und im Thekengespräch mit anderen Urlaubern statt. Nach 15 Tauchgängen waren wir ja dann auch schon langsam „alte Taucher“ – jedenfalls für die Landratten unter den Touristen!
Mit den Jahren kam mehr Erfahrung und mehr Tauchpraxis zusammen. Physik, Tauchmedizin und –technik standen im Mittelpunkt von Aus- und Weiterbildung. Und im Banther See sind Großfische ohnehin eher die Ausnahme.
Dann kamen die „späten 90er Jahre“ und in der Tauchszene wurde mit dem erstarkenden Öko- und Shopping-Tourismus nach Südafrika auch diese Region zum Reiseziel. Und weil da die wirklich großen Haie vorkommen und dort auch ein Häufungsschwerpunkt von Haiunfällen seit Jahrzehnten erkannt ist, war dieses Thema plötzlich auch in unserer norddeutschen Taucherszene zwischen Wilhelmshaven und Cloppenburg in den Charts der Gespräche am Vereins-Treff-Abend deutlich nach oben geschnellt. Zwischen den vielen neuen, nunmehr herauszuhörenden Experten kam ich mir immer etwas verloren vor – sowohl als Frau unter all den harten Männern wie auch als „Hai-Anfängerin“, mit gerade mal ein paar Begegnungen mit Riffhaien moderater Größe .
Um so begeisterter war ich, als mein Mann Ted letztes Jahr eine außergewöhnliche Reise „an Land gezogen hatte“: Seine mannigfachen Kontakte waren ausnahmsweise mal für etwas anderes gut als dafür, dass Taucherfreunde vorbei kommen und den Kühlschrank leer essen und trinken!
Diesmal war es nicht das uw-Filmteam des NDR oder die harten Bundeswehr-Jungs aus Eckernförde – nein, Ted hatte Verbindung zu einer Gruppe von Meeresbiologen und Verhaltensforschern der Universitäten Marburg, Köln und Düsseldorf aufgenommen und uns mit diesen nach Südafrika, genauer auf eine Exkursion an die Küste des Indischen Ozeans der Provinz Kwazulu-Natal, gebucht!
Seit Weihnachten war mein Mann „im Planungsprozess gebunden“: Stunden im internet, Nächte vor dem Computer, am Telefon und im Restaurant unseres „Lieblingsgriechen“ Milto in Cloppenburg. Flüge heraussuchen, Termine absprechen, einen Veranstalter vor Ort finden, noch nicht tauchende Wissenschaftler mit entsprechender Ausbildung versorgen, Ausrüstung komplettieren und einen geeigneten Filmer zur Dokumentation für das Projekt begeistern (um möglichst wenig Honorar zahlen zu müssen...)

Der wissenschaftliche Leiter der Exkursion ist Dr. Haralambos Tsakiris aus Griechenland, ein hochmotivierter Überstundenmacher, Nachtarbeiter und Freund der Küche seines Heimatlandes. Lauter Eigenschaften, die ihn zum Traumpartner von Ted für jegliche Vorbereitungshandlung machen...
In der Sache geht es um Verhaltensmuster von Haien, in diesem Fall von potentiell gefährlichen Spezies. Wie läuft ihre Beute-Auffassung ab, zu neu-deutsch „target aquisition“? Wie interagieren sie in Gruppen oder als Einzelgänger? Sind sie lernfähig oder verfügen über ein „genetisches Gedächtnis“ innerhalb einer lokal definierten Population? Wie prägen sich spezielle Formen der Jagdtechnik aus? Und welchen Einfluss haben Bestand an verfügbarer Beute, Futterkonkurrenz und Lebensraum auf das Jagdverhalten der Tiere? Als „Nicht-Biologin“ kann ich mich nicht sehr weit in all die differenzierten Fragestellungen vertiefen, aber die Aussicht auf die möglicherweise interessanteste und aufregendste Tauch-Reise für Ted und mich ließen seine Begeisterung für das Projekt verzugslos auf mich überspringen. Und griechisch essen gehe ich auch gerne!

Bei der Planung der Exkursion dachte die Biologengemeinde zunächst an Studien und Tauchgänge mit Weissen Haien, den „Great White Sharks“ oder nur kurz „GWS“, um das oben skizzierte Fragenpaket abzuarbeiten.
Irgendwann zwischen Weihnachten und der „boot ´05“ im Januar kam Ted mit den Leuten von LONGIMANUS-LINE in Kontakt, die entsprechend spezialisierte Touren und Safaris planen und durchführen. Die Vorstellungen von wissenschaftlicher Seite waren schnell mit dem real machbaren und unter Wahrung noch beherrschbarer Kosten für eine nicht gesponsorte Exkursion und den Sicherheitsaspekten aus dem Blickwinkel erfahrener Spezialisten auf einen Nenner gebracht.
Die Heimat der südafrikanischen Weissen Haie sind die kalten Gewässer zwischen Kapstadt und entlang der Gartenroute bis nach Port Elizabeth, wo Begegnungen mit diesen eindrucksvollen Raubfischen verhältnismäßig sicher vorhersehbar und einplanbar sind. „Sicher“ bezieht sich dabei allerdings nur auf die Wahrscheinlichkeit der Haibegegnung. Denn trotz aller Normalisierung des Verhältnisses zwischen Mensch und Weissem Hai in allen Medien bleibt der Umgang mit solchen Tieren im unsichtigen Wasser ein erhebliches Wagnis. Mit wenigen (und insgesamt wohl auch fragwürdigen) Ausnahmen von einheimischen „Hai-Flüsterern“, ist deshalb hier „Käfig-Tauchen“ das Mittel der Wahl, um kontinuierlich und auch mit einer Mehrzahl von Tauchern im Wasser mit den „GWS“ zu interagieren.
Ebenso erstaunlicher wie auch nachvollziehbarer Weise kommt kein Tourist oder Tierfilmer auf den Gedanken, im Krüger-Park in der Nähe eines Löwenrudels das schützende Safari-Fahrzeug zu verlassen, um das Image der Raubkatzen mittels „ungeschützter“ Film- oder Fotoaufnahmen zu verbessern. Obwohl auch ein Kfz an Land die „natürliche Interaktion“ zwischen Mensch und Tier stört. Auch kein Wildhüter mag sich da vom Fahrzeug trennen, auch wenn er nur auf einem „Aussensitz“ auf einem Kotflügel mitfährt und John Wayne in „Hatari“ nachahmt. Diesen Vergleich fand ich so einprägsam, dass ich ihn von Lans, einem unserer LONGIMANUS-LINE Reiseleiter, übernommen habe!
Kaltes Wasser mit regelmäßig eher mäßiger Sichtweite und den daraus resultierenden Problemen für den Filmer und die Fotographen, sowie zusätzliche Sicherheitsrisiken mit Blick auf Kältefolgen, geringe Sicht, bewussten Verzicht auf schützende Käfige und die nicht hinweg zu diskutierende, potenzielle und tatsächliche Gefährlichkeit Weisser Haie unter gerade diesen kumulativen Bedingungen ließen LONGIMANUS-LINE einen Alternativvorschlag machen: Tiger- und Bullenhaie vor Kwazulu-Natal.
Im Indischen Ozean ist das Wasser wärmer und durchschnittlich wesentlich klarer als weiter westlich um die Südspitze von Afrika herum. Die Rifflandschaften der großen off-shore-Formationen wie Protea-Banks und die für ihre große Vielzahl an Haien berühmt-berüchtigten Küsten bis hinauf nach Mozambique bieten gute Chancen, auch ähnlich „schlecht beleumundete“ Fische wie den „GWS“ zu treffen. Die „bad guys“ auf dieser Seite Südafrikas sind vor allem die Bullenhaie, die hier mit einem fast liebevollen, lokal-patriotischen Ansatz „Zambezis“ genannt werden, weil sie eben auch Flüsse wie den Sambesi hinauf schwimmen und dort im morastigen Süss- und Brackwasser Beute suchen. Und natürlich der Tigerhai, die verrufene ultimative Fressmaschine!

Graeme, ein freundlicher Gentleman und Leiter des NATAL SHARKS BOARD(NSB) mit einem tollen Büro voller Devotionalien zum Thema Naturschutz und Haiforschung, teilte mit uns bei einer Tasse Rooibosch-Tee seine Erfahrungen und private Dokumentations- und Bildersammlung. Nach seiner Meinung passieren die meisten Unfälle, um den Begriff Angriff zu vermeiden, in Südafrika mit Zambezis.

Verbreitung des Bullenhais („Zambezi“)
Diese Art operiert in allen Wassertiefen, gerne auch und gerade in der Dämmerung im flachen und trüben Wasser in Strandnähe. Dort sind Kontakte mit Menschen riskanter Art leider vorprogrammiert. Und besondere Sorgen machen dem SHARKS BOARD die sogenannten „Strandläufer“, Angehörige armer Familien, die am späten Nachmittag, wenn die Touristen abgerückt sind, die Strände nach noch nutzbaren Hinterlassenschaften absuchen und dazu auch bisweilen ins flache Wasser gehen. Zusammenstösse dieser Leute mit Zambezis werden oft gar nicht bekannt bzw. gemeldet. Das sie stattfinden, konnte das NSB leider nach Obduktionen gefangener Haie immer wieder nachweisen.

Verbreitung des Tigerhais
Tigerhaie kommen weltweit in den warmen Meeren vor. Ihr Name signalisiert nicht nur mit Blick auf die spezifische Zeichnung ihrer Haut den diesen Tieren anhaftenden Ruf: Aggressive, brachiale Allesfresser. Die Größe und offenkundige Kraft dieser Art, gepaart mit optimal und unverkennbar geformten, haken-artigen und messerscharfen Sägezähnen, die jede denkbare Beute effizient zerteilen können, machen sie auch tatsächlich zu unbestrittenen Endgliedern der ozeanischen Nahrungskette. Wie der „GWS“ im gemäßigten Wasser, braucht der „Tiger“ keinen Nahrungskonkurrenten in tropischen Gewässern zu fürchten. Dabei ist „Galeocerdo Cuvieri“, wie der wissenschaftliche Name des Tigerhais lautet, ein wahrer Allesfresser. In den Mägen von Tigerhaien wurden schon neben den Resten von Fischen aller Art, Seevögeln, Schildkröten, Reptilien bis hin zu Krokodilen, Delphinen und anderen Meerssäugern, anderen Haien sowie von Haus- und Nutztieren und tragischer Weise auch Menschen sogar Autonummernschilder, Blechdosen, Damenhandtaschen, Netz- und Tauwerk und Plastikgefäße gefunden. Wirklich keine Gourmets! Im Gegensatz zum Weissen Hai, der sich nach bisherigen Kenntnissen regional auf eine bevorzugte Beute spezialisiert, meist hochenergetische Nahrungsquellen wie typischerweise fett-strotzende Robben, ist der „Tiger“ ein opportunistischer Jäger. Ohne spezifizierte Vorlieben für bestimmte Beute ziehen diese rastlosen Wanderer auf vermutlich festliegenden, gleichwohl weitgehend unerforschten Strecken durch die Meere und laufen saisonal immer wieder bestimmte Regionen an. Eine dieser Regionen ist die Küste vor Kwazulu-Natal, wo sie mit einiger Sicherheit vom Winter bis in den Frühsommer hinein angetroffen werden

Das NSB als spezialisierte, halbstaatliche Behörde, hat seit über 35 Jahren den Schutz der Badestrände vor gefährlichen Haien zur Aufgabe. Dieser Schutz wurde seit 1907 erstmals auf Beschluss des Stadtrats und zum wesentlichen Teil noch heute mit Schutznetzen vor bestimmten Stränden bewerkstelligt, die zunächst relativ kleine Areale abschirmten und den Charakter von Gefangenenlagern im seichten Wasser hatten. Der erste, 180 m breite „Badestrand-Schutzkäfig“ aus Baustahl stand immerhin von 1907 bis 1928, bis er aufgrund hoher Instandhaltungskosten aus der oft starken Brandung abgebaut wurde.
Dann ereignete sich gute 11 Jahre lang kein registrierter Hai-Angriff in der Region, bis schlagartig 1940 fünf Angriffe die Küste von Amanzimtoti bis Winklespruit in Aufruhr versetzten. 1943 erfolgte der nächste registrierte Angriff vor Durban und bis 1951 ereigneten sich 21 Attacken, von denen 7 tödlich verliefen. 1952 übernahmen die Stadtväter das seit 1937 vor Sydney in Australien erfolgreich praktizierte System von treibenden Netzen, die am Grund verankert werden. Sieben Netze von je 130m Länge wurden in einer Art Sperrsystem vor den frequentierten Badestränden verlegt. Damit waren aus den Sperrnetzen letztendlich Fangnetze geworden, die den Schutz der Badegäste über Reduzierung der Haipopulation in der Region herbeiführen sollten. Von 1952 bis 1953 wurden darin vor Durban 552 Haie gefangen. Seither hat sich zumindest in dieser Gegend kein Haiunfall mehr ereignet, auch wenn heute z. B. während des „sardine run“ alle Netze temporär entfernt werden.
Später, nach den noch zu erwähnenden Vorkommnissen der späten 50er Jahre, wurde von mehreren Küstenstädten mit Hilfe des NSB in dieser Form weiträumig abgesperrt, unauffälliger, das Landschaftsbild weniger störend und nur noch bis in etwa 6m Wassertiefe.
Damals wurden an diesem Küstenstreifen, in 107 Tagen zwischen dem „schwarzen Dezember“ 1957 und bis Ostern 1958, weitere fünf Menschen durch Hai-Attacken getötet. Der Tourismus kam schlagartig zum Erliegen, viele Existenzen in der Ferienindustrie gingen verloren.
In panischen Versuchen, ihre Strände vor „Menschenfressern“ zu sichern, errichteten die Strandgemeinden die schon erwähnten unansehnlichen Sperranlagen. Korrosion und Seegang ließen sie bald wieder verschwinden. Eine Fregatte der südafrikanischen Marine hat 1958 mit Wasserbomben gezählte acht Haie „erlegt“, aber gleichzeitig einen nicht zu quantifizierenden Schaden an der uw-Flora und –Fauna angerichtet und in jedem Fall sogar nachweislich eine Vielzahl anderer Haie angelockt, die dem unerwarteten Futterangebot durch die vielen toten Fische im Wasser nicht widerstehen konnten.
In der Tat fangen sich die meisten Haie über Nacht auf der Innenseite dieser Netze. Die Netze stehen seit geraumer Zeit auch in der Kritik der Naturschützer: Sie reduzieren und gefährden nicht nur die Bestände der für Menschen potentiell gefährlichen Haie, sie sind auch eine traurige Todesfalle für Schildkröten, Delphine und andere Kleinwale. An ihnen entzündete sich ein Konflikt zwischen selbsternannten “Hai-Schützern“ und offiziellen „Hai-Feinden“ in Südafrika und weltweit.
Die umstrittensten Fragen sind dabei: Gibt es denn wirklich den für Menschen potentiell gefährlichen Hai? Oder sind nicht auch die berüchtigten, großen Arten dieser Spezies eher schutzbedürftige Teile des Ökosystems Ozean, deren Erhalt Vorrang verdient vor der Beschwichtigung grundloser Panik?
Mittlerweile sind die Fronten in dieser Auseinandersetzung immer verschlungener und unklarer geworden. Auch durch die verschiedenen staatlichen Behörden ziehen sich Differenzen im Ansatz zum Schutz von Natur einerseits und Tourismusförderung andererseits. Nachdem zunächst eine Kluft zwischen konservativer (weiß-afrikanischer) Administration mit dem NSB an der Spitze und den progressiven, nachwachsenden (schwarz-afrikanischen) Behördenvertretern entstanden war, sind die Grenzen in den letzten zwei Jahren noch fließender geworden. Das NSB gehört mit seinem immensen Fach-Datenbestand und hochspezialisierten Logistik zu den weltweit führenden Institutionen im Bereich Hai-Forschung und aktivem Artenschutz. Sichere Badestrände ohne Medienspektakel über Hai-Angriffe sind inzwischen aber auch ebenso „Regierungsziel“ in Südafrika geworden wie die ökologisch abgewogene Nutzung der Natur für „sanften“ Tourismus.
Ein Produkt dieser Gradwanderung ist der „Hai-Tourismus“ zum Großen Weissen Hai in der Kap-Region: Viele ehemalige Fischer, Abenteurer und andere Enthusiasten haben über die Jahre eine Geschäftsidee entwickelt und gepflegt, die einen lebendigen Hai immer wieder nutzt anstatt einen toten nur einmal zu vermarkten. Dass dabei Touristen ohne jegliche Erfahrung im Tauchen oder Wassersport in z.T. wenig vertrauenerweckende Alu-Käfige ins eiskalte Wasser am Kap der Guten Hoffnung gesetzt werden und die „GWS“ durch künstliche „Blutspuren“ und Köderbrocken in ihrem normalen Verhalten beeinflusst werden, ist vermutlich unumgänglich. Das vermehrte Interesse am Hai hat jedenfalls auch seine weitergehende Erforschung motiviert.
Die Fahrt mit einem Kleinbus und zwei Pick-up-Trucks am Dienstag nach Shelly Beach im Süden der Provinz dauert gute drei Stunden. Vorbei an den „grünen Hügeln Afrikas“, an den typischen Rundhütten der Zulus und an weidendem Vieh. Überall liegen Reste von Zuckerrohr-Bündeln am Straßenrand und auf der Fahrbahn. Die Autobahn in Richtung Süden wird immer leerer. Straßenschilder und die Namen der Ortschaften und Strände bringen Erinnerungen an spektakuläre Hai-Angriffe: Amanzimtoti – der gefährlichste Strand der Welt, Umtatha und schließlich St. Michael´s on Sea, Schauplatz der Serie von Angriffen auf Schwimmer, Surfer und Badegäste, dem berüchtigten „schwarzen Dezember 1957“ .
In Shelly Beach angekommen sind schnell die Unterkünfte angesteuert und die müden Reisenden verteilt. Hübsche kleine Gästehäuser, die landestypischen „bed & breakfast´s“ mit teilweiser atemberaubendem Ausblick auf den Ozean. Die Guides und Ted treffen sich noch in einem Pub zum Briefing für den kommenden Montag, Aufteilung der Gruppe in Tauch-Teams, Überprüfung der taucherischen Voraussetzungen und vermutlich mehrere check-dives stellt Mike in Aussicht. Von heftiger Strömung ist die Rede und das die Tauchplätze gute fünf Seemeilen vor der Küste liegen, allemal nur durch mindestens 35 Meter freien Abstieg im Blauwasser zu erreichen und aufgrund von Wind und Gezeiten das ganze früh morgens um spätestens sechs Uhr beginnend! Mir wird nun doch ganz komisch. Ich hatte mich auf Urlaub gefreut und das hörte sich nach Schwerarbeit an.

Am nächsten Morgen treffen wir nach einem wunderbaren, aber leider viel zu frühen Frühstück mit frischem Obst, Kaffee, Croissants und allen anderen guten Zutaten für einen guten Start in den Tag, auf dem Parkplatz am Sportfischerclub auf Roland, den „dive-operator“ und örtlichen Fachmann für das Tauchen im Freiwasser mit Haien aller Art..
Roland ist ein wackerer Schwabe, der mit seiner südafrikanischen Frau Beulah seit über sechs Jahren das Unternehmen „African Dive Adventures“ führt und mit Tauchern aus aller Welt die Protea-Banks zweimal täglich besucht. Nach wenigen Augenblicken fällt mir schon ein Stein vom Herzen: Heute wird erst mal nicht getaucht, sondern sich weiter akklimatisiert und die folgenden Tage durchgeplant. Morgen würde es dann ab diesem Parkplatz losgehen. Dieser Plan gefällt mir um so besser, als ich im Licht der noch tief stehenden Morgensonne eines der Schlauchboote von „African Dive Adventures“ jenseits des Parkplatzes durch die Brandungszone sausen sehe. Nein, das ist offensichtlich kein „easy resort diving“ hier..
Donnerstag, 05. Mai 2005 – der erste „Eingewöhnungstauchgang“ steht auf dem Programm. Die Gruppe ist auf zwei Schlauchboote verteilt, jede noch einmal in „Buddy-Teams“ unterteilt. Jede Bootsgruppe hat zwei Tauchguides dabei und der Filmer sogar Mike als eigenen Assistenten und Leibwächter. Roland und die je zwei Gruppenführer tragen Markierungsbojen mit sich, denen die Schlauchboote in der Strömung folgen werden. Heute gesellt sich noch eine echte Berühmtheit in der Hai-Taucherszene zu uns: Andy Cobb, einer der ersten, die in Südafrika diese Tiere als solche begreifen und wie andere Spezies unter Schutz zu stellen gedrängt hat. Er ist wirklich ein „Hai-Flüsterer“, dessen sympathische Art, wie ein netter, bulliger Großvater ganz leicht Menschen für sich einnimmt. Ob aber alles und alle so harmlos ist bzw. sind, wie er mir suggeriert? Begeisterung und Routine kann „betriebsblind“ machen.
Dr. Tsakiris (links) spricht letzte Details für die gewünschten Filmaufnahmen ab
„Bleibt in jedem Fall und um Gottes Willen bei dem Mann mit der Boje! Wenn Ihr Probleme mit dem Druckausgleich habt, müsst Ihr Euch in einer Minute nach dem Absetzen vom Schlauchboot im klaren sein, ob Ihr tauchen könnt oder aufsteigen müsst. Wenn aufsteigen, dann nach dieser Schamfrist sofort. Dann nimmt Euch das Boot wieder auf. Danach heißt es auf den „Bojen-Mann“ achten und Verbindung mit ihm halten. Verliert Ihr die Verbindung zum Team oder genauer zur Boje, holt Euch der Teufel! Oder jedenfalls die Strömung, die läuft in Nord – Süd - Richtung. Bei den Wellen hat der Bootsführer nur ein Auge für die eine oder zwei Bojen „seiner“ Tauchgruppe. Sonst verliert er womöglich auch die! Wenn Ihr abtreibt, könnt Ihr Eure Studien allein und irgendwann an der Oberfläche mit Bewegungsrichtung zum Südpol fortsetzen. Und das wollen wir doch lieber vermeiden!“
Das ist der für mich wesentlichste Teil des Briefings, dass die Gruppenführer schon am Vorabend im Aufenthaltsraum der „Graceland-Lodge“ in Margate gehalten hatten. Ablauf des Tauchgangs, Tiefe und Übungszweck waren unmissverständlich dargelegt worden.
„Es geht morgen erst mal nur um die Gewöhnung an die Taucherei, wie sie hier `praktiziert` werden muss!“ hatte Lans ausgeführt.
„Wir erreichen den Ausgangspunkt über Grund zunächst grob nach Landmarken-Peilung und GPS, dann nimmt Skip das Gas weg und wir machen uns im treibenden Boot klar zum Tauchen. Das will Euch keiner in voller Fahrt durch die Wellen zumuten. Wenn alle klar sind, tuckern wir noch mal nach GPS genau auf den Absetzpunkt und dann geht´s auf „drei“ mit Rolle rückwärts und vor allem gleichzeitig ins Wasser. Sofort abtauchen und sammeln auf 10m, da ist die Dünung nicht mehr störend und wir organisieren uns kurz noch mal in der Gruppe. Wer nicht klarkommt, hat von da aus noch mal die Chance zum Aussteigen. Wer an dieser Stelle „o.k.“ zeigt, ist sonst unwiderruflich mit von der Partie! Wer versucht zu desertieren oder sonst wie den Kontakt verliert, zahlt im besten Fall Abends das ganze Freibier für alle anderen – oder ist im schlechtesten Fall der Grund, dass diese Exkursion abgebrochen werden muss! Alles klar?“
Ich hatte mich offensichtlich nicht als einzige gefragt, wo der wohl sonst Tauchen „praktiziert“ haben mag! Vermutlich nicht in einem service- und umsatzorientierten Ferien-Resort, soviel war klar! Der Eindruck gilt für die anderen Tauch- und Reiseführer übrigens ganz genau so.
Aber als jetzt Roland noch erklärt, wie die Schlauchboote von den Tauchern über den Strand ins Wasser bugsiert werden müssen, ist der Sinn für Humor der meisten erschöpft. Und meiner ganz genau so!
„Also, ich fahre das Boot mit dem Hänger parallel zur Wasserlinie in den Sand, da lege ich es ab. Wir drehen es dann mit schieben und ziehen 90 Grad in Richtung Wasser und dann schieben wir es mit jeder Welle weiter ´rein. Die Mädels können dann mit `Skip` ins Boot, der Rest schiebt weiter, bis wir an den Granitblöcken vorbei sind. Dürfte so knapp Brusttiefe sein...“ Und das um gerade mal sechs Uhr morgens.
Zwei Schlauchboote müssen wir ins Wasser bringen. Mit vereinten Kräften geht es ans Werk. Biologen und Tauch-Guides packen ebenso mit an wie die Crew von „African Dive Adventure“. Der Toyota Landcruiser pfeffert ein Schlauchboot nach dem anderen vom Trailer auf den Sandstrand zwischen Parkplatz und Ozean und die eingeteilten Gruppen beginnen mit der schweißtreibenden „Schiebearbeit“. Ich halte mich ein bisschen hinter Ted zurück. Man soll seinem Mann ja ruhig hin und wieder das Gefühl von Unersetzlichkeit geben. Dafür ist diese Bären-Plackerei genau das richtige!
Der Wind pfeift und Gischt spritzt auf. Unser Boot ist halbwegs im Wasser, aber der Skipper kann noch nicht die beiden Außenborder absenken, tückische Felsen im Sand der Brandungszone müssen zuerst passiert werden. Ich „boote ein“ und die Männer schieben weiter. Mir fallen die gutgemeinten Ratschläge des NSB-Chefs ein: „Seid vorsichtig im trüben und aufgewühlten Wasser in Strandnähe! In der Dämmerung sind da gerne die Zambezis unterwegs und schnappen nach allem, was sie finden! Die sehen da ja nichts und das bewegte Wasser stört auch andere ihrer Sensoren. Man kann das nicht übel nehmen...“
Aber – ach was, Unsinn! Schließlich wird auf diese Art und Weise hier ständig getaucht. Trotzdem bin ich froh, als auch Ted im Boot ist!
Es folgt eine wahre Sturmfahrt durch die Brecherzone. Der Bootsführer checkt die Wellen ab, erkennt blitzschnell eine günstige Konstellation und donnert mit den beiden 95-PS-Außenbordern konsequent durch den „Surf“. Da ist man gut beraten, die Füße unter die Halteschlaufen am Bootsboden zu stecken und sich gut festzuhalten! Nicht umsonst verlangen die örtlichen Behörden, dass auch Taucher in dieser Phase der Aus- und späteren Einfahrt eine signalrote Rettungsweste über dem Neopren tragen.
„Es sind zur Zeit nicht viele Haie da,“ hatte Roland noch an Land gesagt. „Ein paar `Zambezis` und `Raggies`. Und auf 40m in der `Shark-Gully` wie immer Gitarrenhaie! Letzte Woche waren noch mehr `Raggies`da, aber das werden jetzt immer weniger. Aber in den letzten drei Wochen wurden hier zweimal Tigerhaie gesehen, einmal sogar ein richtiger `Klopper` von so etwa 4 - 5m !“
Die Fahrt geht anstrengende 25 Minuten auf den offenen Indik hinaus. Das Ankämpfen gegen die Schläge des rasenden Bootes in den Wellen ermüdet Oberschenkel- und Bauchmuskeln. Schließlich verstummen die Motoren. Es gilt nun, Gerät und Flossen anzulegen. Ein Segen, heute muss ich mich noch nicht zusätzlich mit der Kamera behängen.
Lans, Chris und Mike heben ihre NITROX-gefüllten Stahlflaschen höchst lässig über Kopf auf den Rücken und lassen sie in die auffangenden Schultergurte der Jackets fallen. Panos ist schon fertig und „der Doktor“ hilft noch meinem Mann in die Ausrüstung. An sich misstraue ich solchen macho-mäßigen Zurschaustellungen, muss aber zugeben, dass die so schnell und sicher ausgerüsteten Gruppenführer dadurch vorher noch problemlos anderen helfen konnten, Handlungssicherheit vermitteln und sogleich wieder den Bootsführer beim folgenden Endanlauf zum Absetzpunkt unterstützen können.
Die Wasseroberfläche wirkt trotz höhersteigender Sonne dunkelblau und durchaus etwas bedrohlich. Dann ist es schon soweit – wir sind da, die Masken werden aufgesetzt und dann geht´s rückwärts auf „drei“ in das mit 24 Grad Celsius angenehme Wasser.
Bloß alle Luft aus dem Jacket, Nase zugehalten und ab nach unten. Kopfüber sehe ich Ted, ein oder zwei andere Taucher und dann pendele ich auf 10m auch schon ein. Soweit alles in Ordnung. Die Gruppe ist eng zusammen geblieben und alle können mit erfolgreichem Druckausgleich zwischen den beiden „Bojen-Trägern“ vorne und als Schlusslicht auf Tiefe gehen. Die Strömung ist wirklich stark. So eine Strömung würde in anderen Tauchrevieren als Besonderheit für einen „drift-dive“ angekündigt. Hier hieß es, sie sei normal. Später erfahre ich, es sollten knapp über 4 Knoten gewesen sein!
Die zunächst nicht sehr gute Sicht bessert sich auf 37 m über Grund. Es dürften gute 25 bis
30 m sein, die man weit sehen kann. Eine unglaubliche Menge großer Schwarmfische wimmelt um uns herum. Brassen, Schnapper, Makrelen – alles viel größer und mit mehr Abstand von Tier zu Tier im Schwarm als etwa im Roten Meer oder der Karibik. Dann fällt uns ein gewaltiger schwarzer Stachelrochen auf, der mühelos querab zur Strömung über den Grund zieht. Ich bin begeistert. Das Treiben in der Strömung klappt prima und ist nach den Strapazen der Ausfahrt geradezu entspannend. Die Tiefe wechselt zwischen 35 und 38 m, wobei wir etwa 2 m über dem Grund dahin sausen. Die beiden Guides beobachten die Gruppe genau und wirken bisweilen fast wie Schäferhunde, wenn sie einzelnen Tauchern durch zurückdrängende Gesten bedeuten, nicht aus der Formation auszuscheren.
Der Grund sieht aus, wie aus einem surrealistischen Gemälde von Dali entliehen: Felsgrund, schroffe Blöcke wechseln sich auf dem Plateau des etwa 250m breiten Riffdachs der Protea-Banks an dieser Stelle mit zerklüfteten Grotten, flächenartig gewachsenen Schwammformationen in dunkelgrün und einzelnen, verloren wirkenden, abgestorbenen Korallenstöckchen und grotesk in der Strömung baumelnden Röhrenschwämmen ab. Dazwischen immer wieder kleinere oder größere Sandflächen, bis wir schließlich auf einer mondlandschaftsähnlichen Sand- und Geröllhalde ankommen, die kaum mehr Fischbestand aufweist. Ein wenig enttäuscht schweifen die Blicke über diese Einöde, als plötzlich beide „Bojen-Männer“ fast simultan nach vorne links auf den Grund deuten. Nach ein paar Sekunden sehe ich sie auch: Gitarrenfische oder –haie, eine Spezies irgendwo zwischen Rochen und Hai, die trotz ihrer beachtlichen Größe von durchschnittlich 1,50m gut getarnt über den Sandgrund huschen. Erst erkenne drei oder vier, dann immer mehr. Das zählen vergesse ich! Aus unserer Perspektive wirken sie wie utopische Ufo´s , die eine Flotte bilden wollen. Später höre ich den Vergleich mit dem Blick von oben auf die Rollbahnen eines Flughafens, wo die Flugzeuge rangieren und in Parkpositionen andocken. Das trifft es noch viel besser! Ein toller Anblick.
Dann ist es Zeit für den Aufstieg. 40m Maximaltiefe und Pressluft in den meisten Geräten zwingen die Taucher zum Aufstieg, was ohnehin schon zu einem „Entlanghangeln“ an der Nullzeit wird! Lans und Panos signalisieren den Beginn des Aufstiegs.
Die Taucher lösen sich in enger Formation weiter vom Grund und fast alle schauen gleichzeitig auf die Computer an Handgelenken und Konsolen. Genau in diesem Moment löst sich ein großer, spindelförmiger Schatten aus dem Einerlei des Grundes, fast an der Sichtgrenze. Panos hat ihn zuerst aufgefasst und betätigt seinen uw-Signalgeber am Inflatorschlauch. Zufällig ist auf einmal auch die andere Gruppe vom zweiten Schlauchboot rechts von uns in Sichtweite. So haben wir alle die erste Begegnung mit einem der hiesigen Hausherren: Ein kapitaler Zambezi von gut und gerne drei Metern Körperlänge bei wahrhaft athletischem Volumen. Ich kann mich nicht erinnern, bis dahin jemals einen so großen Fisch gesehen zu haben. Das Verhältnis von Länge zu Körpermasse macht den Hai untersetzt wirkend, wie ein Ringer oder Gewichtheber. Daher kommt wohl der geläufige Name „bull-shark“ im englischen und die neuerdings auch auf deutsch gebräuchliche Bezeichnung „Bullen-Hai“ für den eigentlich in unserer Sprache höchst unaufgeregt „gemeiner Grundhai“ genannten Raubfisch.

Andy Copp in Aktion
Der Hai nötigt mir Respekt ab. Er zieht unbeirrt unter den höher steigenden Tauchern durch, wendet noch einmal und plötzlich sind es zwei Zambezis, die dann vor den undeutlich werdenden Konturen des Grundes nicht mehr zu erkennen sind. Während ich noch darüber nachdenke, dass dieser Hai schwierig zu photographieren gewesen wäre und wie ich in den nächsten Tagen solche Situationen am besten meistern könnte, saust einer der beiden Zambezis urplötzlich noch einmal von vorne kommend geradewegs zwischen den beiden Tauchergruppen auf nunmehr nur noch 15m Tiefe hindurch. Keiner wird es später zugeben, aber ich bin mir sicher, die Mehrzahl der Taucher hat sich ebenso erschreckt wie ich. Jedenfalls hingen beide Gruppen anschließend in geradezu mustergültiger Disziplin im gut 5 m tiefen Blauwasser zum gemeinsamen Sicherheitsstop und beobachteten auffällig emsig das Freiwasser ringsum. Andy Cobb spult seinen „Distractor“ auf und ab: Ein Angelköder aus gelben Plastikfasern, von dem er sicher ist, das Ding gibt den Haien „zu denken“, wenn es unter den Tauchern im Wasser baumelt und sichert damit die kritischste Phase beim Tauchen mit „richtigen“ Haien – wenn´s wieder auf´s Boot geht!
Ich war recht froh, dass mir der Skipper sehr geschickt das Tauchgerät abnahm und nicht wie die Gruppenführer und „Bojen-Bändiger“ als letzte aus dem Wasser zu kommen.
Was ist der Unterschied, wo ist die Grenze zwischen irrationaler Angst und begründeter Sorge, die sich zu Furcht oder bis gar zur Panik steigern kann?

Das de-briefing unserer Gruppenführer fiel wohlwollend bis positiv aus. Viel Zeit blieb auch nicht. Nach der „landestypischen“ Anlandung der Schlauchboote mittels ungebremstem Auflaufen auf den Sandstrand im Gefolge einer geeigneten Welle, werden sogleich die leeren gegen gefüllte Tauchgeräte getauscht und nach nur einer hastig getrunkenen Cola am Kiosk des Fischer-Clubs geht die Plackerei mit den Booten über den Sand von vorne los!
Der Ablauf bleibt gleich, der Tauchgang wird genauso spektakulär, wie der vorangegangene. Kein Zambezi diesmal, aber gewaltige Zackenbarsche, wie ich sie bisher nur in Filmen gesehen hatte. Und Thunfische, schnelle Einzelschwimmer und kleine Gruppen! Jeder einzelne so groß, dass man scheinbar ganz Tokio von ihnen mit Sushi versorgen könnte. Am Ende des zweiten Tauchgangs erleben die Taucher des anderen Bootes noch einen besonderen Höhepunkt: Im flachen Wasser während des Sicherheitsstops jagen zwei große Marlins, Schwertfische, an ihnen vorbei. Unser Arzt hantiert gerade mit seiner Digitalkamera herum und landet zwei Glückstreffer! Zweimal löst das kleine Wunderding im genau richtigen Moment aus und bannt das einmalige Erlebnis auf halbwegs deutliche Pixelflächen. Einmal den Marlin im Vorbeischwimmen und dann sogar ein Portrait, nur beeinträchtigt durch das Plankton und die unvermeidbaren kleinen Luftbläschen im Wasser nahe der Oberfläche!
Was für ein Tauchgebiet! Welch großartige Erlebnisse! Es fällt erkennbar allen schwer, professionelle Gelassenheit zu wahren und das Tauchen hier nur als Mittel zum wissenschaftlichen Zweck zu betrachten. Auch Wissenschaftler können einmal „carried away“ sein...

Die nächsten Tauchgänge absolvieren wir mit klickenden und surrenden Kameras und die Wissenschaftler stellen bei der Bewertung ihrer täglichen Praktika fest, dass dieses Tauchgebiet trotz aller Begeisterung für die erhofften Beobachtungen ungeeignet ist. Es gibt zwar kalkulierbar immer wieder anzutreffende Haie hier, die Zambezis betrachten wir schon geradezu als „alte Bekannte“, aber die Begegnungen sind in der Strömung immer zu kurz und nicht planbar! Wir müssen mit der Strömung treiben, die Haie bewegen sich frei im dreidimensionalen Raum. Die Sicht ist nicht so gut, als dass eine Beobachtung auch „im Vorbeitreiben“ möglich wäre. Und die Grundzeiten werden immer kürzer bei jedem Wiederholungstauchgang.
Einmal dauert eine Haibegegnung doch ungewollt länger: Ein Zambezi wird zudringlich bei unserem Kameramann. Es ist ein kapitaler Bursche, mindestens so groß wie der vom ersten Tauchgang. Mit Filmkamera und Lichtsystem besonders unbeweglich droht die Situation für den Kameramann außer Kontrolle zu geraten. Mehrere male schwimmt der Hai ihn direkt an und kann kaum mit der voluminösen Kamera abgedrängt werden. Später erklärt uns Roland, der Hai sei ein regelmäßiger Gast auf den Proteas, den er schon sein Jahren hier beobachtet. Er hat zwei punktförmige, helle Narben am Rücken und wird daher bei „African Dive Adventures“ unter dem Namen „Dotti“ registriert. Und „Dotti“ gilt tatsächlich als besonders wenig scheu, selbstbewusst und und respektlos gegenüber blubbernden Gestalten im Wasser!
„Dotti“ ! 
Da beweist sich die Einteilung eines eigenen „Kamera-Assistenten“ als weitsichtig und notwendig. Und ich verstehe schlagartig den Zweck der eigenartigen Werkzeuge, die die LONGIMANUS-Leute mit sich führen. Es sind speziell modifizierte Schlagstöcke, wie sie bei der Polizei Verwendung finden und den asiatischen „Tonfas“ nachgebildet wurden. Mit so einem Ding, an den Enden noch mit einer Schraubmutter bewehrt, rückt Mike dem aufdringlichen Fisch zu Leibe. Ein oder zwei Minuten lang versetzt er dem Zambezi immer wieder Stöße und Schläge, wenn dieser in Reichweite kommt. Das ganze sieht fast spielerisch aus, muss aber sehr anstrengend sein. Und erst im zweiten Augenblick wird allen klar, dass da ein gefährliches Raubtier vertrieben werden soll. Geistesgegenwärtig werden ein paar Bilder gemacht, dann ist der Spuk vorbei. Diesmal hat der Zambezi seinen schlechten Ruf nicht verteidigen können – oder wollen. Er hat sich, trotz der dieser Art attestierten, besonders hohen Testosteron-Konzentration im Blut, verscheuchen lassen.

Das Vorkommnis gibt noch Gesprächsstoff und Diskussionsbedarf für alle: Lässt sich – und wenn ja: Was? – etwas aus diesem Geschehen ableiten? Wie kann die Zeitspanne für Interaktion mit den Haien verlängert werden und wie lassen sich im Freiwasser mit ihnen möglicherweise Verhaltensmuster beobachten, um sie verbindlich zu definieren? Ein Reizthema kommt auf: Anfütterung!
Es wurde eine lange Nacht nach diesem Tag voller neuer Tauchabenteuer. Nach vielem „wenn & aber“ hat sich die Gruppe dazu durchgerungen, den Vorschlag mit dem Anködern zu akzeptieren. Roland weiß „den Mann“, „the man“, für dieses Unterfangen: Walter Bernardi von AFRICAN WATERSORTS !
Am nächsten Tag geht´s los: Tigerhai-Safari mit dem Boss vom „Afrikanischen Wassersport“!

Neben Mark Addison, der durch mehrere – auch in Deutschland ausgestrahlte – Fernsehproduktionen bekannt gewordene „Tigerhai-Experte“, ist Walter ein Hai-Tauch-Veteran der ersten Stunden dieser speziellen Aktivitäten Ende der 90er Jahre in Südafrika. Als Grundschullehrer und –Rektor in Umkomaas fördert die örtliche Schulbehörde seine Aktionen im Interesse der Haiforschung mit großzügiger Freistellung vom Dienst, wenn immer nötig. Der bullige Südafrikaner ist ein freundlicher Bursche, der sofort Zutrauen und Kompetenz ausstrahlt. Roland, Mike und Lans kennen ihn schon seit ein paar Jahren und haben die „Genesis der Anfütterungstechniken“ miterlebt und ausprobiert.

Wurden zunächst „bait & scum“ (Fischabfälle und Köderbrocken) am Grund in etwa 15 – 20m Tiefe ausgebracht und halbwegs zwischen lockeren Felsbrocken befestigt, wendet Walter nunmehr die Methode „Köder-Boje“ an. Dabei treibt in 10m Tiefe eine an vielen Stellen perforierte, alte Plastik-Tonne an einem Stahlseil unter einer Boje mit der Strömung und ist mit Fischresten gefüllt. Zusätzlich werden an dem Stahlseil weitere Leinen mit Köderbrocken fixiert, die wie lange dünne Insektenbeine um die Tonne herumtreiben und der Konstruktion etwas Skurriles verleihen. Bei AFRICAN WATERSPORT schwört man auf dieses Verfahren. Die Tauchzeit mit Tigerhaien hätte sich dadurch um ein vielfaches verlängert. Aber – wird mir plötzlich klar – als Taucher hängt man dabei auch frei im Blauwasser, ohne die Suggestion von irgendwelcher Sicherheit durch Anlehnung an den Grund oder eine Riffwand, und mit Tigerhaien in der Nähe, die von Beutewitterung angelockt wurden! Auf einmal teile ich die Bedenken der Biologen vom Vortag, aber zugegebenermaßen aus etwas unterschiedlicher Perspektive: Kann man mit dem Duft verwesender Fische im Wasser davon ausgehen, dass die Haie ein „normales“ Verhalten an den Tag legen? Was, wenn sie aggressiv werden? Sehen sie vielleicht Futter-Konkurrenz in uns Tauchern? Oder halten sie uns evtl. sogar für die Beute selbst? Und dann auch noch Tigerhaie, die berüchtigten Allesfresser, die beängstigende Ausmaße erreichen! Während der Fahrt zur Brücke am Umkomaas-Fluß steigt die Unruhe in mir auf, die die anderen wohl auch spüren, aber jeder irgendwie erfolgreich überspielt. Unsere Guides sind allerdings bester Laune und machen auch noch unpassende Scherze über die Größe und Kraft eines Tigerhaigebisses sowie die Folgen seiner Anwendung zur Zerteilung von Beutetieren. Und das Schlauchboot für diese Ausfahrt hat auch noch ein Haifischmaul vorne auf den Kiel gemalt, wie einige Fliegerstaffeln ihre Kampfmaschinen verzieren...

„O.k., Walter sagt, es kann einige Zeit dauern, bis ein Tiger auftaucht. Solange wartet Ihr ohne den Anzug komplett anzuziehen, behaltet die T-Shirts und Mützen wegen der Sonne an und trinkt reichlich! Ich will hier keinen dehydriert oder mit Sonnenstich umkippen sehen, bevor die Show anfängt!“ belehrt Mike auf seine typische, verbindliche Art die Taucher an Bord des großen Schlauchboots mit dem Haifischmaul, nach dem wir eine vergleichsweise angenehme und schonende Ausfahrt zum Tauchplatz hinter uns haben. Wir dümpeln jetzt über dem „Eel-Skin“-Riff mit der hier viel sanfteren Strömung nach Süden an der malerischen Küstenkulisse vorbei. Die „Tiger-Line“ läuft zwischen den beiden Aussenbordern durch nach achtern ins Wasser und zieht einen kapitalen toten Thunfisch hinter uns her. Die Fischreste und –brocken in und an der Tonne, die noch an Bord steht, stinken erbärmlich. Und nun soll das dauern?
Da stößt der afrikanische Bootsmann einen schrillen Pfiff aus, keine 10 Minuten sind vergangen.“Tiger on the line!“
In Windeseile holen unser schwarzer Skipper und Roland die Leine mit dem Thunfisch ein, der sehr zügig eine große Rückenflosse in Zick-zack-Linien durch die Wasseroberfläche folgt. Sekunden später ist der Hai am Boot und prallt mit voller Wucht gegen die stehenden Schrauben der Aussenborder. Es gibt einen Ruck, der das voll beladene Schlauchboot einen satten Meter im Wasser nach vorne versetzt. Sofort vermenschlicht man die vermutliche Reaktion des Hais: Oh je! Der hat sich weh getan! Der ist jetzt sicher wütend! Ein junger Meeresbiologe aus Marburg bringt den Spruch aus JAWS I „Wir müssen zurück! Ein größeres Boot holen!“ Und keiner lacht so richtig.

Tatsächlich, ein Tigerhai! Jetzt geht alles sehr schnell. Walter und Roland am Bug und Mike am Heck gleiten als erste ins Wasser, der Bootsmann und Lans wuchten die Tonne ins Wasser und Panos leitet die Gruppe an, sich eilig und doch sorgfältig klar zum Tauchen zu machen. Nacheinander geht es vorsichtig und unter Vermeidung von Plantschen und anderem Lärm über Bord.
Später erfahre ich von den ersten dreien im Wasser, dass der Hai das kräftige, zwischen 3 und 4 Meter lange Weibchen war, das einige Zeit später die offenkundig dominante Darstellerin in dem sich entfaltenden Spektakel werden sollte. Sie stand zunächst direkt unter dem Boot (!) und muss wohl auch unseren „harten Männern“ einen gehörigen Schreck eingejagt haben, als diese als Vorhut ins Wasser gingen! Nach wenigen Augenblicken war sie dann entschwunden.
Als ich im Wasser anfange zu orientieren, war erst mal kein Hai zu sehen. Nur kleine Fische, die die Tonne umschwärmten und ziemlich große Schiffshalter, die in ZA „Remoras“ genannt werden, die große treibende Brocken wegschnappen. Anders als man als Taucher erwartet, suchten diese Saugfische keinen neuen Wirtsfisch, obwohl kein für sie geeigneter „Partner“ in Sicht war.
Schließlich wird klar, warum! Ihre Wirtsfische waren da, wir konnten sie nur nicht sehen. Drei Tigerhaie, außerhalb der Sichtweite von etwa 15 bis 20 Metern. Zunächst das schon erwähnte Weibchen, beeindruckende drei, eher vier Meter lang! Dann eine weitere Haifischdame von gut und gerne rund drei Metern Länge und – ich kann mir ein leises Grinsen selbst in dieser Situation nicht verkneifen – ein relativ schmächtiges Männchen von allenfalls 2,50 Metern! Der „Winzling“ schleppt dafür mit fünf Stück die meisten Schiffshalter mit.

Majestätisch ziehen die Tiere ihre Bahnen um uns herum, manchmal über uns hinweg und manchmal unter uns hindurch. Genau die Situation, die ich gefürchtet hatte. Eindrucksvoll zeigen sie die „Visitenkarte“ ihrer gefürchteten Art: Die getigerte Hautoberfläche über den besonders muskulös wirkenden Körpern. Eine gute Viertelstunde dauert der Tauchgang und die Haie ziehen in etwa 5 Metern Abstand vorbei. Die Kameras klicken und surren, das digitale Material von vor ein paar Minuten wird schon wieder gelöscht – da waren die Haie noch weiter weg und die Bilder natürlich schlechter...

Mehr als eine halbe Stunde ist vorbei. Die Haie haben offenbar jede Scheu und Distanz verloren. Sie schwimmen so dicht heran, dass der Kameramann sie bisweilen mit dem Objektiv wegdrücken muss.
Fragt sich, wer hier wen drückt!?! Die Aufnahmen werden wohl immer spektakulärer. Das entnehme ich jedenfalls der Gestik von allen mit einer Kamera ausgestatteten Tauchern. Der Blick auf den Computer zeigt nun 45 Minuten Tauchzeit, 45 Minuten in permanenter Gesellschaft der Haie im Freiwasser!
Zwei der Guides haben wieder ihre Polizei-Knüppel hervorgeholt. Was sagt mir das? Während ich noch darüber nachdenke, schiebt sich der Tigerhai mittlerer Größe zwischen mich und Ted und drängt ihn ab!

Ted lässt seine Kamera herunter und schwimmt im Halbkreis zu mir zurück. Der Schreck steckt mir noch im Gebein da stelle ich fest, die „Tiger“ haben die Party deutlich übernommen: Sie schwimmen nun kreuz und quer durch die Gruppe, langsam zwar, aber der Eindruck von majestätischer Erhabenheit der ersten Hälfte dieses Tauchgangs ist demjenigen von arroganter Aufdringlichkeit gewichen! Einzelne Tiere schwimmen kurz hinfort, nähern sich aber sehr schnell und für uns meist unmerklich wieder an. Über dem rund 10 Meter tieferen Grund kann man sie gar nicht erkennen. Einzig die weiß-silbernen Leiber der Schiffshalter verraten sie manchmal, wenn sie über den Grund gleiten.

Eine Stunde ist vorbei und Walter und die Guides signalisieren uns den „geordneten Rückzug“ wie vorher besprochen. Die Taucher erreichen in Buddy-Teams zu zweit und nacheinander die Oberfläche und werden vom Schlauchboot geborgen. Die Haie stoßen inzwischen die „Futter-Tonne“ dauernd an und versuchen wiederholt, die Stahlseile zu durchbeissen. Taucher werden von ihnen in der Nähe der Tonne nötigenfalls „Weggedrängt“!

Ich bin mit Ted wieder glücklich an Bord und immer noch fasziniert und eingeschüchtert zu gleich. Dieser Tauchgang war so völlig anders, als alle vorher. Nach genau 80 Minuten ist mit Walter Bernardi der letzte Tauch aus dem Wasser heraus. Was hatten wir da soeben erlebt?
Diesem Tauchgang folgte ein zweiter nach einer viel zu kurzen Trink- und Erholungspause. Unsere Wissenschaftler machten weitere acht Tauchgänge mit den Tigerhaien in den nächsten Tagen, die nachmittäglichen De-Briefings bringen für mich erstaunliches zu Tage:
1. Die Tauchgänge verlaufen immer gleich. Die Tiere werden sicher identifiziert, schließlich glaubt man, fünf verschiedene Tigerhaie „persönlich“ zu kennen!
2. Die Haie halten immer zunächst Abstand, verringern diesen jedoch kontinuierlich, bis zu dieser unangenehmen, nervenaufreibenden Distanzlosigkeit nach etwa einer Stunde.
3. Die Haie scheinen nicht dazu zu lernen! Ihr Verhalten ggü. in ihrem Millionen Jahre alten Reiz-Reaktions-Schema nicht vorgesehenen Tauchern bleibt gleich: Abstand halten, zunächst die Objekte aus Gründen des Selbstschutzes als „gefährlich“ kategorisieren, alle Sinne zur „Erkundung“ einsetzen und schließlich die Scheu verlieren und Neugierde auf kürzeste Distanz befriedigen.
Die Fragen gehen weiter. Ist das schon empirisches Wissen? Andere Forscher glauben schon, nach einem oder zwei Tauchgängen halbwegs verbindliche Aussagen treffen zu können. In der Gruppe bleiben Zweifel bestehen. Ist das erlebte Geschehen die typische Interaktion einer solch potentiell gefährlichen Spezies mit dem Menschen? Während Dr. Tsakiris und seine Kollegen ihre Lap-Tops mit Text und Daten füttern, beginne ich schon etwas wehmütig mit dem Packen für den Rückflug. Eine tolle Reise, und ich glaube viel erlebt, gesehen und verstanden zu haben. Aber Lans, der beim Packen hilft, ist nicht der richtige Gesprächspartner, um mir das Gefühl von gesicherter Erkenntnis zur Sicherheit von Tauchern vor Haien zu erhalten.
„Haie,die sich räuberisch ernähren, Tigerhaie dabei ganz besonders, kennen nur zwei Kategorien von Objekten im Wasser: Gefährliche und fressbare. So einfach ist für die die Welt!“ sagt er, und hebt meine Tauchertasche mit einer Hand auf den Pick-Up, für die ich sonst gerne einen Gabelstapler hätte.
Noch im Flieger zurück nach Deutschland beschäftigt mich dieser schlanke Satz, der in fatalistischer Einfachheit mit einem Schlag alle die Interpretationen der Verhaltensforscher relativierte, die mir nach unseren Erlebnissen große Sicherheit und Gelassenheit im Umgang mit solch großen Raubtieren gegeben hatte, und die ja auch nahtlos an die derzeitige „Hai-Mainstream-Meinung“ anknüpften. Auch mein Vortrag mit Dia-Show im Taucherverein war ins Wanken geraten. Der Ansatz, über die immer spektakuläreren Tauchgänge mit namhaften südafrikanischen „maneatern“ zu berichten und daraus deren grundsätzliche Harmlosigkeit herzuleiten, war mir verloren gegangen. Wir waren über eine Stunde mit den Haien getaucht, keiner hat eine Schramme abbekommen (jedenfalls nicht durch Haie!!!). Aber was, wenn der Mann von LONGIMANUS-LINE mir zu verstehen geben wollte, dies sei nur eine Frage der Zeit gewesen? Und so habe ich auch die beiläufigen Kommentare der anderen „Profis“ verstanden. Wenn es für die „Tiger“ nur gefährliche oder fressbare Dinge im Ozean gibt, was folgt dann, wenn sich ein solches Tier davon überzeugt zu haben glaubt, dass ein Mensch/Taucher im Wasser „ungefährlich“ ist? Könnte das nach 81Minuten der Fall sein? Sind Taucher daher vor allem deshalb „sicher“, weil unsere Tauchgänge meist viel kürzer sind bzw. die Haibegegnungen nur regelmäßig einen Bruchteil dieser Zeit ausmachen?
Es wird auf diesem spannenden Gebiet weiter geforscht werden und – wenn es so eine Tour in Südafrika wieder geben sollte, die Reise-Kasse wieder aufgefüllt ist und wir gesund bleiben – sind Ted und ich gerne wieder dabei. Es ist schon ein tolles Gefühl, bei so einem coolen Szene-Thema auch mal was aus erster Hand am Taucherstammtisch oder auf der „boot“ in Düsseldorf beitragen zu können ... ;-)
Meike Kreimer
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