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Tourist und Tiger in Kanchananburi

 


Wir wissen noch nicht, ob dieser Bericht stimmt. Aber wir werden vor Ort forschen und ggf.  alles unternehmen, um wieder die Verhältnisse von 2000 herzustellen oder korruptem Treiben anderweitig Einhalt zu gebieten. UW-SAFARI gehörte zu den ersten, die die Mönche besuchten. Und Gäste hinführten…
Sollte dieser Bericht – und auch nur in Teilen – zutreffen, wäre das der auf das Vertrauen zu örtlichen Einrichtungen bezogene Super-GAU! Und leider auch eine weitere Bestätigung leidvoller Erfahrungen in aller Welt…

von Thilo Thielke, Bangkok
 

    
Sie werden geprügelt, am Schwanz gezogen, mit dem Urin von Artgenossen bespritzt: In einem thailändischen Kloster werden systematisch Tiger misshandelt. Touristen lassen sich für viel Geld mit den Tieren fotografieren, Artenschützer sind entsetzt.

Anfassen ist erlaubt. Wer 1000 Baht, rund 20 Euro, zahlt, darf sogar den Kopf des Tigers auf den Schoß nehmen und kraulen. Aber schnell muss es gehen. Nach ein paar Sekunden werden die zahlenden Gäste von emsigen Helfern in giftgrünen Hemden weitergeschleift. Ein Foto, zack, zack, dann muss es weitergehen. Der Tiger Canyon ist nun wirklich nicht der richtige Ort für Meditation.

Kleiner Thrill: der Tiger und ich
Die nächsten Besucher warten schließlich. Einige Dutzend sind es derzeit, die hinter dem Absperrband ausharren und schwitzen: Touristen in Badelatschen und T-Shirts, Hausfrauen, aufgebrezelte Ladyboys aus Bangkok, langhaarige Freaks auf Durchreise, Geschäftsleute im Business-Look, Familien mit kleinen Kindern - alle warten auf ihren kleinen Thrill, das eine Bild: der Tiger und ich.

Trauriger Blick
Rund zehn der seltenen Wildkatzen liegen dafür zu ihrem Pläsier bereit: träge, wie benommen, in der brütenden Tropenhitze dösend lassen sie das Spektakel fast teilnahmslos über sich ergehen. Sie wirken, als hätte man ihnen Beruhigungsmittel eingeflößt, merkwürdig weggetreten; mit ausgestreckten Pfoten; dumpf in die Gegend glotzend. Traurig.

Wichtig für die Klosterkasse
Das buddhistische Kloster Wat Pa Luangta Bua Yannasampanno, rund zweieinhalb Autostunden westlich von Bangkok gelegen, hat es als Tiger-Tempel mittlerweile zu einer kleinen Berühmtheit in Thailand gebracht. Rund 15 Tiger halten sich ständig in der Obhut der Mönche auf. Doch wichtiger für die Klosterkasse: Tag für Tag strömen Hunderte Besucher hierher, an Spitzentagen wurden schon 880 Gäste gezählt. Vom Kleinkind bis zum Rentner zahlen alle 300 Baht, rund sechs Euro, Eintritt - für thailändische Verhältnisse eine ganze Menge Geld.

Rummel im Kloster
Der Hype begann, nachdem der Fernsehsender "Animal Planet" über die Mönche mit ihrer Vorliebe für den Panthera Tigris, den Tiger, berichtete. Mittlerweile stehen die Omnibusse der Reiseunternehmen Schlange vor dem Eingang der Anlage nahe der burmesischen Grenze. Ein gewaltiger Rummel. Viel Geld. Tierquälerei, sagt die Tierschutzorganisation "Care for the Wild International".

"Mönche misshandeln Tiger"
Über drei Jahre lang haben die Aktivisten das Treiben im "Tiger Temple" beobachtet. Jetzt stellen sie ihren verstörenden Bericht vor. Die Mönche betreiben "illegalen Handel mit Tigern, misshandeln die Tiger, die im Tempel gehalten werden, systematisch physisch; hochgefährlich ist der Kontakt mit den Tieren auch für die Touristen", so der vernichtende Befund des Berichts "Exploiting the Tiger".

"Illegales Zuchtzentrum"
Die Mönche behaupten, 1999 seien ihnen die ersten Tigerbabys von Dörflern und Polizisten zur Pflege übergeben worden. Man hätte die Tiere zuvor Wilderern entrissen und sie in Sicherheit gebracht. Im Laufe der Jahre seien es immer mehr Tiere geworden. Einige hätten sich auch vermehrt. Gut möglich, dass es so begonnen hat. Mittlerweile, ist "Care for the Wild" überzeugt, handelt es sich bei dem Tigertempel aber um ein illegales "Zuchtzentrum für Tiger, "die hier einzig für Touristen und den finanziellen Nutzen des Tempels gehalten werden".

Kleine, verdreckte Käfige
Immer wieder würden Tiere verkauft und andere aus Laos importiert. Und was noch schlimmer wiegt: Die Tierhaltung ist katastrophal. Stundenlang werden die Großkatzen ungeschützt der unerträglichen Hitze ausgesetzt. Die Beton- oder Eisenkäfige sind klein und verdreckt. Die Nahrung nicht artgerecht. So werden die Tiere mit Katzen- und Hundefutter und gekochtem Hühnerkadaver gefüttert. Die Mönche behaupten, sie wollten dadurch den Blutdurst der Tiere bremsen. Experten sind darüber entsetzt. Tiger benötigen rohes Fleisch in ausreichender Menge, damit sie genug Vitamine erhalten.

Mit Felsbrocken beworfen, mit Stöcken geschlagen
Um die Tiere gefügig zu machen, werden die Tiger zudem mit Felsbrocken oder Stöcken geschlagen, am Schwanz in die richtige Position für die Touristen gezerrt und mit dem Urin anderer Tiger bespritzt. Mit dem Urin markieren rivalisierende Tiere normalerweise ihr Territorium. Eine Ladung davon direkt ins Gesicht ist schlimmer als ein Faustschlag. Kein Wunder, dass viele Tiere Anzeichen schwerer Verhaltensstörungen zeigen: Sie wackeln stundenlang stupide mit dem Kopf hin und her. Hier ist das traurige Ende einer stolzen Art zu besichtigen, der größten Katze, die die Erde noch bevölkert.

Gnadenlose Jagd
Denn sie sind die letzten ihrer Art. Gerade einmal 5000 bis 7000 Tiger soll es noch in freier Wildbahn geben, nur noch 250 bis 500 davon in Thailand. Von neun Subspezies sind drei bereits vollständig ausgerottet, und ihr Lebensraum wird immer kleiner. Die Tiere fallen der Zerstörung ihrer Umgebung zum Opfer oder werden gnadenlos von Wilderern gejagt, die ihre Felle verkaufen und ihre Penisse zu Potenzmitteln zerhacken.

Stundenlang an der Kette oder im Käfig
Einige hundert Meter vom Tiger Canyon entfernt befinden sich zwei Jungtiere. Eins sitzt neben einem zerbissenen Gummiball in einem engen Gitterkäfig, das andere muss neben ein paar kichernden Urlaubern für Fotos posieren. Immer wieder werden die Besucher von Mitarbeitern des Tempels aufgefordert, Geld zu spenden. Stundenlang verharren die Tiere neben ihnen, an der Kette oder im Käfig.

Mammon- statt Tierliebe
Den Tieren scheint nun ein trauriges Schicksal in dem Kloster beschieden. Dabei sollen gerade Buddhisten gegenüber anderen Lebewesen besondere Milde walten lassen. Das Tier gilt ihnen als Bruder des Menschen. Es darf nicht grundlos getötet und soll geachtet und geschützt werden. Im Tiger-Tempel ist davon wenig zu spüren. Hier herrscht der Mammon.

Kein Weg zurück in die Freiheit
Und es gibt wenig Hoffnung für die Tempeltiger. Die mit Kindermilch und Hundefutter aufgezogenen Tiere können nicht mehr ausgewildert werden. Bislang haben sich die Mönche sogar geweigert, die DNA der Tiger feststellen zu lassen. Es könnte womöglich ans Tageslicht kommen, dass sie gar nicht aus Thailand stammen…

 

 

siehe auch:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,562903,00.html

 

 

GEGENDARSTELLUNG:

Mönch und Tiger

 

 

So sieht die "offizielle" Darstellung aus - nach wie vor - wie auch UW-SAFARI das Kloster kennenlernte:



MDR FERNSEHEN | 27.12.2008 | 11:55 Uhr

Der Tiger und der Mönch
In buddhistischen Klöstern ist das Morgengebet ein tägliches Ritual. Was den Tempel in der Provinz Kanchananburi im Westen Thailands aber von allen anderen Tempeln der Welt unterscheidet, sind die Haustiere der ehrenwerten Mönche.


Der Tempel wurde als einfaches Waldkloster errichtet. Heute leben hier mehr Tiger als Mönche. Wir befinden uns im legendären "Tigertempel", wo Mönche friedlich mit den großen Raubkatzen zusammenleben. Erzählt wird die Geschichte von Phra Acharn, dem Abt des Klosters, die Geschichte vom Tiger und dem Mönch. Phra Acharn bekam 1976 die Diagnose Leukämie. Er beschloss daraufhin Mönch zu werden und ging jahrelang meditierend durch die Wildnis, von einem Kloster zum anderen. Dabei begegnete er oft wilden Tieren, sie wurden ihm auf seinen Wanderungen vertraut.


"Ich werde oft gefragt, ob ich Angst vor den Tigern habe. Nein, ich habe keine Angst. Als ich erfuhr, dass ich Leukämie habe sagte der Arzt, ich würde bald sterben. Das war vor dreißig Jahren und ich lebe immer noch. Ich habe keine Angst vor dem Tod".


Phra Acharn, der Abt des Klosters


Die kleinen Häuser der Mönche liegen weit verstreut im Wald.Kanchananburi liegt nur zwei Autostunden von der Hauptstadt Bangkok entfernt. Der Tigertempel ist keine prunkvolle Anlage, sondern ein Ort der Stille. Die kleinen Häuser der Mönche liegen weit verstreut im Wald. Es gibt nur ein großes Gebäude, den Gebetstempel im Zentrum der Anlage. Wat Pa Luangtabua Yannasampano heißt das Kloster offiziell, aber man nennt es landauf, landab nur den "Tigertempel". Hier leben etwa ein Dutzend Mönche und mit ihnen sechzehn Tiger. Die Tiger werden in Käfigen gehalten, der Abt sorgt aber dafür, dass sie in Bewegung bleiben. Innerhalb des Tempelgeländes kann man eine kleine Schlucht finden, genannt das "Tal der Tiger".


Der erste Tiger kam 1999 in den Tempel. Ein Tigerweibchen hatte die Kuh eines Bauern angegriffen, der Bauer hat den Tiger getötet und nahm sich das Baby. Der kleine Tiger landete schließlich bei einem Tierpräparator und sollte getötet werden. Auf rätselhafte Weise überstand das Tier aber die Giftspritze und wurde danach in den Tempel gebracht. Das verlangt die Tradition. Wenn jemand versucht ein Tier zu töten und es überlebt, muss es in einen Tempel gebracht werden. Der Kleine wurde gepflegt und war trotz seiner schlechten Erfahrungen ein sehr zutrauliches Tier.



Etwa ein Dutzend Mönche leben im Tempel und mit ihnen sechzehn Tiger.Kurz darauf kamen zwei Männer vom Volk der Karen aus Myanmar und brachten zwei Tigerbabies über die Grenze zu uns. Es hatte sich offenbar herumgesprochen, dass hier verwaiste Tiger aufgenommen werden. Letztlich war es immer die gleiche Geschichte: irgendwer hatte die Mutter getötet und ihre Jungen wurden im Wald gefunden. Im Jahr 2000 waren es schließlich acht Tiger. Einer dieser acht war Phayu. Alle Tiger des Klosters tragen himmlische Namen: Die beiden kleinen Tiger heißen "Großer Himmel" und "Glitzernder Stern", andere werden Wolke, Sonnenschein, Blitz oder Regenbogen genannt.



Unweit des Tempels liegen die letzten Urwälder Thailands.Verfolgt man die Spur der Tempeltiger zurück, gelangt man geradewegs in die Bergwälder im Westen. Unweit des Tempels liegen die letzten Urwälder Thailands. Nationalparks wie der Kaeng Krachan grenzen hier an ursprüngliche Regenwälder in Myanmar. Nach jüngsten Schätzungen leben im Nationalpark noch etwa vierzig Tiger, in ganz Thailand höchstens zweihundert. Wie im übrigen Asien sind auch hier die Tiger vom Aussterben bedroht. Die Probleme sind überall die gleichen: Es gibt kaum noch Wälder, die genug Platz und Beute für große Jäger bieten, und trotz strenger Gesetze und Verbote werden die Tiger immer noch gejagt. Der Urwald ist dicht und das Bergland zerklüftet. Dennoch gibt es Jäger, die sich hier spielend zurechtfinden, die Fallen aufstellen, Gewehre, Gift und sogar Dynamit einsetzen, um Tiger zu erlegen.


"Das Problem ist nicht der Verlust des ursprünglichen Lebensraums, das Problem ist die chinesische Medizin. In Thailand werden mittlerweile Tiger gezüchtet, sie werden getötet und dann zu diversen chinesischen Heilmitteln verarbeitet, das ist illegal aber es geschieht trotzdem."


Doktor Chisanu, thailändischer Wissenschaftler und Naturschützer

 

 

 

Bis auf weiteres führt UW-SAFARI nur noch „Tiger-Safaris" in Indien durch! Das vormals beliebte und eingefahrene Neben-Programm zum Tauchen in Thailand liegt - jedenfalls bei uns! - auf Eis.